GOTS-Siegel

GOTS-Siegel bei kiss the inuit

Zertifizierungen und Standards für die biologische Baumwollproduktion variieren, besonders im Hinblick auf regional unterschiedliche Gegebenheiten. Es gibt jedoch generelle Prinzipien, die allen Konzepten zugrunde liegen. Die "International Federation of Organic Agriculture Movements" (IFOAM) hat Standards für die organische Produktion und die Weiterverarbeitung in der Textilindustrie herausgegeben, die eine Basis für die meisten Länder bilden. Der International Organic Accredetation Service (IOAS) wurde ins Leben gerufen, um die unterschiedlichen Zertifizierungen für Biobaumwolle zu akkreditieren. Weltweit gibt es eine Vielzahl an Instituten, die organische Baumwolle zertifizieren, aber nur wenige zur Zertifizierung der Weiterverarbeitung, um die Reduktion der schädlichen Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit zu sichern.

Unter all den verschiedenen Zertifizierungssystemen ist der "Global Organic Textile Standard" GOTS das am meisten anerkannte Institut für Zertifizierungen von Biobaumwolle.

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist als weltweit führender Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern anerkannt. Auf hohem Niveau definiert er umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette und gleichzeitig die einzuhaltenden Sozialkriterien. Der Standard wurde im Jahr 2006 eingeführt und ist das Ergebnis einer international agierenden Arbeitsgruppe, die sich seit 2002 mit der Entwicklung global verbindlicher Richtlinien für die Zertifizierung beschäftigt. Die wesentlichen Mitglieder dieser Arbeitsgruppe sind die "Organic Trading Association" in den USA, die "Japan Organic Cotton Association", die "Soil Association of England" und der "Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft" in Deutschland. 2006 kamen diese Organisationen zu einem gemeinsamen Entschluss über die globalen Standards und veröffentlichten die erste Version des GOTS. Version 4.0 wurde am 1. März 2014, drei  Jahre nach Veröffentlichung der Version 3.0 herausgegeben. Die Qualitätssicherung erfolgt durch unabhängige Zertifizierung der gesamten Textillieferkette.

Ziel von GOTS ist es, Anforderungen zu definieren, die eine nachhaltige Herstellung von Textilien gewährleisten, angefangen von der Gewinnung textiler Rohfasern über umweltverträgliche und sozial verantwortliche Herstellung bis zur Kennzeichnung der Endprodukte und dadurch Produktsicherheit für den Endverbraucher zu bieten. Textilverarbeiter und -hersteller sollen ihre ökologisch erzeugten Textilprodukte mit einer Zertifizierung anbieten können, die auf allen relevanten Märkten anerkannt wird.
Der Standard deckt Herstellung, Konfektion, Verpackung, Kennzeichnung, Handel und Vertrieb aller Textilien ab, die aus mindestens 70% kontrolliert biologisch erzeugten Naturfasern bestehen. Es können z.B. Garne, Stoffe, Bekleidung, Heimtextilien und sonstige Produkte aus textilen Fasern zertifiziert werden. Der Standard legt keine Kriterien für Leder- und Fellprodukte fest. Ein Textilprodukt mit der GOTS-Kennzeichnung "Bio" bzw. "kbA/kbT" muss mindestens 95% kontrolliert biologisch erzeugte Fasern enthalten, ein Produkt mit der Kennzeichnung "hergestellt aus x% kbA/kbT Fasern" mindestens 70%.

Die wichtigsten Kriterien für die Textilproduktion sind:

Umweltkriterien

1.    In allen Verarbeitungsstufen müssen Produkte aus biologisch erzeugten Fasern von Produkten aus konventionellen Fasern getrennt und klar identifiziert sein.
2.    Alle chemischen Zusätze (z.B. Farbstoffe, Hilfsmittel und Prozesschemikalien) müssen vor dem Einsatz geprüft werden und die Grundanforderungen bezüglich Toxizität und biologischer Abbaubarkeit/Eliminierbarkeit erfüllen.
3.    Verbot problematischer Zusätze, wie z. B. toxische Schwermetalle, Formaldehyd, aromatische Lösungsmittel und genetisch veränderte Organismen (GVO) und deren Enzyme.
4.    Die Verwendung synthetischer Schlichtemittel ist beschränkt; Öle für Strick- und Webmaschinen dürfen keine Schwermetalle enthalten.
5.    Bleichmittel müssen auf Sauerstoff basieren (keine Chlorbleiche).
6.    Azofarbstoffe, die karzinogene Aminverbindungen freisetzen, sind verboten.
7.    Ätzdruckverfahren, die aromatische Lösungsmittelenthalten und Plastisol-Druckverfahren, die Phthalate und PVC verwenden, sind verboten.
8.    Beschränkungen für Accessoires (z.B. kein PVC, Nickel oder Chrom)
9.    Alle Betriebe müssen über ein eigenes Umweltschutzprogramm mit Zielvorgaben und -verfahren haben, um Abfälle und Abwässser zu minimieren.
10.    Nassveredlungsbetriebe müssen vollständige Protokolle über die eingesetzten Chemikalien, den Energie- und Wasserverbrauch sowie die Abwasseraufbereitung einschließlich Klärschlammentsorgung führen. Das Abwasser aller Nassveredlungsbetriebe muss in einer zweckdienlichen Abwasserkläranlage aufbereitet werden.
11.    Das Verpackungsmaterial darf kein PVC enthalten. Alle aus Papier oder Pappe bestehenden Verpackungsmaterialien, Hängeetiketten, Banderolen, etc. müssen entweder gemäß FSC oder PEFC zertifiziert oder recycelt sein.
12.    Technischen Qualitätsanforderungen, wie z.B. Reib-, Schweiß-, Licht- und Waschechtheit sowie Einlaufwerte müssen erfüllt werden.
13.    Rohstoffe, Zwischenprodukte, fertige Textilprodukte sowie Zutaten und Accessoires müssen strenge Grenzwerte im Hinblick auf unerwünschte Rückstände einhalten.

Soziale Mindestkriterien

Alle Verarbeiter und Hersteller müssen soziale Mindestkriterien auf der Grundlage der Kernnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) erfüllen. Sie müssen ein Soziales Managementsystem mit festgelegten Elementen haben, um die Einhaltung der sozialen Kriterien sicherzustellen. Die nachfolgend aufgeführten Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) dienen als Grundlage für eine angemessene Umsetzung und Beurteilung der jeweiligen Sozialkriterien.
1.    Freie Wahl der Beschäftigung,
2.    Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen werden geachtet,
3.    Verbot von Kinderarbeit,
4.    Existenzsichernde Löhne,
5.    keine übermäßige Arbeitszeit,
6.    keine Diskriminierung
7.    die Arbeitsbedingungen sind sicher und hygienisch,
8.    reguläre Beschäftigung,
9.    Verbot von grober oder inhumaner Behandlung